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Jahrhunderthochwasser in Esting 1999

Jahrhunderthochwasser in Esting 1999

Das Pfingsthochwasser 1999 war der bis heute längste Dauereinsatz in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Esting. Nachfolgend erhalte Sie einen Einblick in die Ereignisse und dem Ablauf des Großeinsatzes.

Samstag 22.05.1999

Ein überfluteter Keller im Amperweg Neu-Esting war die erste Alarmierung am Samstag um 9:20 Uhr. Nach Beendigung des Einsatzes forderte uns die Feuerwehr Olching zur Unterstützung am Starzlbach an. Parallel zu diesem Einsatz kontrollierte ein Fahrzeug die kritischen Stellen an der Amper. Es wurden Feuerwehrangehörige aller vier Ortsteilfeuerwehren in den Gemeindebauhof zum Füllen von Sandsäcken beordert. Dazwischen wurden noch kleinere Einsätze zu überfluteten Kellern gefahren.

Als am Samstagnachmittag der erste Kommandant zurück aus dem Urlaub eintraf, wurde ihm die Lage ausführlich geschildert. An verschiedenen Stellen der Amper wurden Pegel eingerichtet, um laufend genaue Messungen durchführen zu können. Diese haben wir stündlich kontrolliert und die Messergebnisse festgehalten.

Der Ruf nach Sandsäcken, die in der gesamten Gemeinde Olching Mangelware waren, wurde immer lauter. Daraufhin wurde begonnen, auch aus dem Fürstenfeldbrucker Kreisbauhof Sandsäcke abzuholen. Es gingen auch immer mehr Anrufe der Bevölkerung in der Einsatzzentrale in Esting ein, die sich nach Sandsäcken und der Lage erkundigten. Sämtliche Wege unmittelbar an der Amper wurden gesperrt. Wie sich jedoch schnell herausstellte, hielten sich viele Schaulustige nicht daran und beschädigten oder beseitigten sogar die Absperrungen.

Der vom Bauhof zur Verfügung gestellte Unimog beförderte Sandsäcke zu den gefährdeten Stellen, wie das in den Amperauen gelegene Gasthaus Amperlust. Bereits in der Nacht zum Sonntag war die Einsatzzentrale und das Gerätehaus besetzt. Die Pegel und kritische Stellen wurden die ganze Nacht über kontrolliert.

Sonntag 23.05.1999

Schon am frühen Sonntagmorgen gingen mehrere Einsätze in der Einsatzzentrale in Esting ein. So galt es zum Beispiel in einem Grundstück am Jägersteig einen 3000 Liter fassenden Flüssiggastank, der auf zu schwimmen drohte, zu sichern.

Um ca. 13:00 Uhr mussten die Feuerwehr Esting wegen der starken Überflutungen im Bereich Pestalozzistraße und des S-Bahnhofes, die Bahnunterführung sperren. Was sich für die Feuerwehr als großes Handicap herausstellte. Um den Ortsteil Neu-Esting mit den kleineren Fahrzeugen unserer Feuerwehr zu erreichen, musste ein sehr großer Umweg über die B471 gefahren werden.

Am späten Sonntagnachmittag stieg der Grundwasserspiegel so rasch, dass die Anzahl der Einsätze mit überfluteten Kellern im Bereich des Amperweges, der Pestalozzistraße und dem Escherweg so rapide anstiegen, dass unsere Kapazitäten an Pumpen nicht mehr ausreichten. Die Einsatzleitung entschied, das THW OV München-Land anzufordern, die am Abend mit der Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen am Feuerwehrhaus in Esting eintraf und dann den Einsätzen zugeteilt werden konnte.

Am Sonntag den 23.05.99 zählte die Einsatzzentrale in Esting bereits über 35 Einsätze.

In der Nacht zum Montag fuhr die Feuerwehr Esting im gesamten Ortsgebiet noch weitere Einsätze mit überfluteten Kellern. Es stellte sich bei manchen Einsätzen heraus, dass es sich meist um Grundwasser in den Kellern handelte und kein Eingreifen unsererseits möglich war.

Montag 24.05.1999

Der Pegel der Amper, den die FF Esting weiterhin kontrollierte, stieg immer weiter. So bahnte sich am Morgen das Wasser bereits seinen Weg durch den Stephanweg über die Römerstraße zum Kollerweg, der auf seiner ganzen Länge überflutet war. Ebenfalls war der Bereich zwischen Jägersteig und Amperweg teilweise bis über einen Meter überschwemmt. Auch um den Bereich des Amperspielplatzes und der Olchingerstraße in Neu-Esting traf es die Anwohner schwer. Mehrere Versuche mit großen privaten Grundwasserpumpen die Wassermassen am Amperweg und am Fritz-Endress-Weg abzupumpen schlugen fehl. Die linksseitige Amperböschung von der „Fünflöcherbrücke“ bis zur Brücke an der Olchingerstraße war in weiten Bereichen überschwemmt.

Durch die vollständige Abschottung der Durchfahrt durch die Fünflöcherbrücke und der rechtsseitigen Aufstockung der Amperböschung durch die Feuerwehr Olching um das Siedlungsgebiet an der Richard-Wagner-Straße zu schützen, erhitzten sich die Gemüter der in den gegenüberliegenden Niederungen sehr schwer betroffenen Anwohner. Dies führte auch im Nachhinein zu unschönen Szenen.

Die Amperböschung flussabwärts, linksseitig der Römerbrücke war bereits sehr aufgeweicht und eine beginnende Unterspülung konnte in einigen Bereichen festgestellt werden. Bei der Gaststätte Amperlust wurde der erste Damm überspült. Gegen 8:00 Uhr wurde die Lage an der Römerstraße so akut, dass sich die Einsatzleitung entschied, die Böschung aufzustocken. So wurden die Kräfte vom THW OV München Mitte, FF Rottbach, FF Hattenhofen und FF Mittelstetten, mehrere LKW´ s, sowie zwei Radlader angefordert. Ebenfalls baten wir unsere Einsatzzentrale in Fürstenfeldbruck Sandsäcke zu ordern, die dann später aus Peisenberg eintrafen. So waren gegen Mittag ca. 150 Helfer vor Ort. Die Versorgung der Hilfskräfte führte das BRK ausgezeichnet durch. Somit wurden für diesen Damm, der ca. 300m lang war, etwa 700m3 Kies und 3500 Sandsäcke verarbeitet.

Nachdem unsere Einsatzkräfte seit Samstagfrüh fast pausenlos im Einsatz waren und sich erste Übermüdungserscheinungen abzeichneten, ordnete der Kommandant für die Nacht zum Dienstag eine Zwangspause an. Zur Ablösung und Überwachung wurden durch die Einsatzzentrale die Feuerwehren Althegnenberg und Oberschweinbach alarmiert.

Dienstag 25.05.1999

Am Dienstag gegen 6:00 Uhr übernahm die Feuerwehr Esting wieder die Einsatzstellen. An der Römerstraße wurden den ganzen Tag die Pumpen sowie die Dämme überwacht.

Da an diesem Tag schönes Wetter war, zog es viele Schaulustige an die Einsatzstellen, so dass wir teilweise die Beamten der Polizeiinspektion Olching um Unterstützung baten.

Gegen 19:45 Uhr ging im Feuerwehrhaus ein Notruf einer Anwohnerin des Jägersteigs ein, dass in einem Lagerschuppen ein aufgeschwommener Öltank ausläuft. Sofort rückten zwei Fahrzeuge der FF Esting und der Gemeinde Unimog aus. Der Einsatzort konnte jedoch nur mit dem Unimog und dem Schlauchboot erreicht werden, da die Zufahrtswege mehr als einen halben Meter überflutet waren. Die mitalarmierte Feuerwehr Olching stellte mit dem Rüstwagen ein Schlauchboot bereit. Die ebenfalls alarmierte Feuerwehr Geiselbullach wurde jedoch nicht mehr benötigt. Mit vereinten Kräften stellten wir den Öltank wieder auf und errichteten mit Hilfe des Schlauchbootes der FF Olching eine Ölsperre. Das Öl wurde soweit wie möglich aufgenommen.

Mittwoch 26.05.1999

Am Mittwoch Morgen fuhren wir noch kleinere Einsätze als gegen 10;30 Uhr in der Einsatzzentrale in Esting der Notruf eines aufmerksamen Bürgers einging.

Etwas oberhalb der Amperbrücke and der Olchinger Straße senkte sich eine sehr große ca. 20 m hohe Weide in eine erhebliche Schräglage über der Amper. Als erste Sofortmaßnahme sperrte die FF Esting den Gefahrenbereich großräumig ab. Die Erkundung des Kommandanten ergab sofortigen Handlungsbedarf, da sich der Baum weiterhin neigte. Sollte der Baum umstürzen, so würde er an der Amperbrücke hängen bleiben und somit das Wasser aufstauen, was die Brücke erheblich gefährden könnte. Aus diesen Gründen leitete der Einsatzleiter alles weitere in die Wege und lies das THW OV FFB, die Wasserwacht, die Feuerwehr Olching mit dem Rüstwagen, sowie die BF München Wache 6 mit einem 50t Kranwagen alarmieren. Als weitere Maßnahme wurde der Baum mittels eines Greifzugs gesichert. Um diesen wirksam einsetzen zu können, musste ein Feuerwehrkamerad den über die Amper hängenden Baum erklimmen und das Greifzugseil anlegen.

Nach Eintreffen und Positionieren des Kranwagens, begann ein Feuerwehrmann der Berufsfeuerwehr, am Haken des Kranes, durch Rollgliss und Schwimmweste gesichert, den Baum nach und nach abzusägen. Die Wasserwacht übernahm dabei die Absicherung mittels eines Bootes. Dieser Einsatz zog sich noch bis in die Nachmittagsstunden hin. Bis zum 30.5.99 fuhren wir noch ca. 10 Hochwasserbedingte Einsätze. Dazu kamen noch umfangreiche Aufräumarbeiten im gesamten Ortsgebiet Esting.

Bis zum 30.5.99 fuhren wir noch ca. 10 Hochwasserbedingte Einsätze. Dazu kamen noch umfangreiche Aufräumarbeiten im gesamten Ortsgebiet Esting.

Anmerkung des Kommandanten Josef Schwindl

Die Freiwillige Feuerwehr Esting fuhr in der Woche des Pfingsthochwassers 1999 etwa 67, meist größere, Einsätze. Von Samstagmorgen bis zum darauf folgenden Freitagabend war die Estinger Feuerwehr rund um die Uhr im Dauereinsatz und leistete dabei den größten Einsatz in ihrem 99 jährigen Bestehen.

Es galt dabei in erster Linie Schaden von Leib und Leben unserer Bürger fernzuhalten. Unser Bestmögliches haben wir gegeben, um die Sachwerte in unserem Ort mit den vorhandenen technischen Möglichkeiten zu schützen. Neben den vielen Hochwasserbedingten Einsätzen, stellten die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Esting auch ihre Erfahrung, den in Not geratenen Bürgern, zur Verfügung. So galt es in dieser Zeit auch einen Brand, der durch Kurzschluss in einer überfluteten Elektrounterverteilung entstand zu löschen. Besorgte Bürger befürchteten, dass ein Baukran in die überflutete Baugrube stürzt und gar andere sahen eine hochgiftige Mamba in einer harmlosen Ringelnatter, die sich vor den Fluten in einen trockenen Garten rettete. All diese Dinge waren mit harten Stunden verbunden, manchmal die Nerven aufs Äußerste gespannt, letztendlich jedoch verband uns die Kameradschaft, das Miteinander. Einer alleine war machtlos, im Team jedoch ist vieles möglich.

Nur schematisch können die oben stehenden Zeilen die Situation während des Hochwassers wiedergeben. Die vielen dramatischen und höchst gefährlichen Situationen, aber auch die schönen Zeiten, als endlich das Wasser wieder zurückging.

An dieser Stelle möchte ich mich im Namen der Freiwilligen Feuerwehr Esting bei allen Helfern und Gönnern bedanken.

© Quelle Text und Fotos: Feuerwehr Esting
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